Hormus -Wie Pflege der Sprit aus geht-

Der nächste Schlag trifft Volkswagen – und die gesamte deutsche Industrie

Als wären die hausgemachten Probleme am Standort Deutschland nicht schon groß genug, rollt jetzt die nächste Kostenwelle auf die Industrie zu: Der Rohölpreis ist innerhalb eines Monats um rund 31 Prozent gestiegen. Brent-Öl notiert inzwischen wieder bei rund 100 US-Dollar je Barrel. Ursache sind die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und die Risiken für wichtige Transportwege wie die Straße von Hormus.

Für Volkswagen und die gesamte Automobilindustrie ist das eine denkbar schlechte Nachricht. Steigende Ölpreise verteuern nicht nur Kraftstoffe, sondern auch Logistik, Kunststoffe, Chemieprodukte, Stahltransporte und die gesamte Lieferkette. Gleichzeitig steigen die Energiekosten erneut. Am Ende verteuert sich nahezu jedes Fahrzeug.

Genau hier wird das eigentliche Problem sichtbar: Eine starke Volkswirtschaft muss externe Krisen verkraften können. Deutschland kann das immer schlechter. Warum? Weil die Politik den Industriestandort über Jahre geschwächt hat. Hohe Energiepreise, eine ausufernde Bürokratie, hohe Unternehmenssteuern, steigende Sozialabgaben und immer neue Regulierungen haben den Puffer aufgezehrt, den Unternehmen früher hatten.

Früher hätte ein Anstieg des Ölpreises um 30 Prozent wehgetan. Heute kann er für viele Unternehmen existenzbedrohend werden. Denn die Gewinnmargen sind durch politische Entscheidungen bereits massiv geschrumpft.

Volkswagen steht deshalb exemplarisch für ein viel größeres Problem. Der Konzern kämpft nicht nur gegen internationale Konkurrenz und eigene Managementfehler. Er kämpft gegen einen Standort, der Jahr für Jahr an Wettbewerbsfähigkeit verliert. Während China seine Industrie subventioniert und die USA mit milliardenschweren Förderprogrammen Unternehmen anlocken, diskutiert Deutschland über weitere Belastungen.

Der Ölpreisschock ist deshalb nicht die Ursache der Krise. Er ist der Brandbeschleuniger. Und genau deshalb sollte der Niedergang von Volkswagen ein Weckruf sein. Denn wenn selbst Deutschlands größter Industriekonzern unter diesen Rahmenbedingungen ins Straucheln gerät, stellt sich eine unbequeme Frage:

Wie lange können Mittelstand, Zulieferer und Handwerk diese Politik noch verkraften?