basiert auf der Philsophie von Peter Sloterdijk
Warum Generation Z Sloterdijk besser verstanden hat als viele Führungskräfte
Es gibt diesen stillen Vorwurf, der Generation Z permanent begleitet: zu sensibel, zu wenig belastbar, zu schnell überfordert. Früher habe man eben „durchgezogen“. Heute werde gleich von Burnout gesprochen. Doch was, wenn genau hier ein Denkfehler liegt? Was, wenn nicht die Gen Z das Problem ist, sondern ein überholtes Ideal von Selbstaufopferung?
Der Philosoph Peter Sloterdijk hat dafür einen Begriff geprägt, der aktueller kaum sein könnte: Es gibt keine Pflicht zur Selbstzerstörung. Ein Satz, der sitzt. Und einer, der vielen älteren Generationen unangenehm ist.
Die alte Logik: Leistung durch Verschleiß
Über Jahrzehnte galt ein unausgesprochenes Gesetz: Wer etwas erreichen will, muss leiden. Lange Arbeitszeiten, emotionale Abhärtung, Durchhalten um jeden Preis. Selbstfürsorge wurde belächelt, Pausen galten als Schwäche, Sinnfragen als Luxusprobleme. Das Ideal war der Mensch als Belastungsmaschine und immer wieder gern genommen das Sprichwort: „Lehrjahre sind keine Herrenjahre.“.
Sloterdijk kritisiert genau diese Denkfigur. Er beschreibt, wie moderne Gesellschaften ihre Mitglieder systematisch überfordern moralisch, psychisch, zeitlich. Nicht aus Bosheit, sondern aus Gewohnheit. Weil man es „immer so gemacht hat“.
Generation Z: Ausstieg aus einem schlechten Vertrag
Die Generation Z hat diesen Vertrag nie unterschrieben. Und genau das irritiert. Sie fragt:
Warum soll ich mich kaputt machen für Strukturen, die mich austauschbar behandeln?
Warum gilt Erschöpfung als Auszeichnung?
Warum ist Selbstschutz egoistisch, Selbstausbeutung aber loyal?
Das ist kein Ausdruck von Faulheit. Es ist Ausdruck von Bewusstsein. Sloterdijk würde sagen: ein Akt der anthropologischen Selbstachtunog. Der Mensch ist kein Verbrauchsgut. Es wird Zeit für diese Einsicht, die, so denke ich, nicht nur Gesellschaften, sondern eben auch die Wirtschaft fundamental verändern wird.
Resilienz heißt nicht, alles zu ertragen
Ein zentraler Denkfehler vieler Debatten: Resilienz wird mit Leidensfähigkeit verwechselt. Doch resilient ist nicht, wer alles aushält, sondern wer rechtzeitig Grenzen zieht. Wer regeneriert. Wer erkennt, wann ein System krank ist und nicht sich selbst dafür verantwortlich macht.
Die Gen Z spricht offen über mentale Gesundheit, Sinnkrisen und Überforderung. Nicht, weil sie schwächer ist. Sondern weil sie gelernt hat, dass Schweigen krank macht.
Sloterdijk und die Zumutung der Dauerempörung
Sloterdijk warnt zudem vor einer Welt permanenter moralischer Alarmzustände. Alles ist wichtig, alles ist dringend, alles ist Krise. Dieses Dauerfeuer erzeugt Erschöpfung. Wer ständig „Haltung zeigen“ muss, verliert irgendwann die Kraft zur Gestaltung.
Gerade aktuell werden die Menschen in Atem gehalten mit immer neuen Hiobsboschaften, denn mit Angst lässt sich besser regieren. Wer Angst hat, denkt und handelt nicht rational sondern instinktiv und oft aus der Angst heraus.
Die Generation Z reagiert darauf nicht mit Zynismus, sondern mit Rückzug, Teilzeit, Jobwechsel. Das wird als Unverbindlichkeit gedeutet. In Wahrheit ist es Selbstregulation.
Führung neu denken
Für Unternehmen und Führungskräfte bedeutet das eine unbequeme Wahrheit: Motivation entsteht nicht mehr durch Druck, sondern durch Sinn, Autonomie und psychologische Sicherheit. Wer heute noch auf Angst, Schuld oder Überlastung setzt, wird verlieren, nicht moralisch, sondern wirtschaftlich.
Die Gen Z bleibt nicht, weil sie muss. Sie bleibt, wenn es sich lohnt. Menschlich. Sinnhaft. Gesund. Finanzell.
Keine Pflicht zur Selbstzerstörung – sondern zur Verantwortung
Sloterdijks Gedanke ist kein Aufruf zur Bequemlichkeit. Er ist ein Aufruf zur Verantwortung für sich selbst und für Systeme, die Menschen nicht verbrauchen, sondern befähigen, die nicht auf Angst basieren, sondern auf Konsens, Vertrauen, Achtung und Diplomatie des Miteinander.
Vielleicht ist die Generation Z nicht zu empfindlich.
Vielleicht ist sie einfach die erste Generation, die klar sagt:
Ich funktioniere nicht gegen mich selbst.
Und das ist kein Problem.
Das ist Fortschritt.
„Die Vergesellschaftung durch Schulung, wie sie hierzulande geschieht, ist die Verdummung a priori, nach der kaum ein Lernen mehr Aussicht bietet, daß die Dinge irgendwann besser würden […]. Im Grunde glaubt kein Mensch mehr, daß heutiges Lernen «Probleme» von morgen löst; fast sicher ist, daß es sie auslöst.“ — Peter Sloterdijk
Quelle: https://beruhmte-zitate.de/zitate/1977690-peter-sloterdijk-die-vergesellschaftung-durch-schulung-wie-sie-hie/