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Wohnen im Alter –Neue Schwerpunkte für ein erfolgreiches Investment-

Sicherlich ist Ihnen schon aufgefallen, dass sich die Märkte insgesamt verändern. Kosten steigen, Materialien fehlen und Menschen, die für die Leistung notwendig sind, finden sich immer weniger. Der Pflegemarkt befindet sich in einer Veränderungsphase. Diese Veränderungen beobachten wir auf allen Ebenen des Marktes:

  1. Immobilien (Bau, Sanierung, Bewirtschaftung)
  2. Betrieb (gesetzliche Rahmenbedingungen, Tariftreue, Hygiene- und Brandschutzvorgaben)
  3. Mitarbeiter (Pflegefachkraftmangel, Pflegekraftmangel, zu wenig besetzte Ausbildungsstellen, Generationenwechsel hin zu Generation Z und bald Alpha)

Ausgaben für Pflegeversicherung verdoppeln sich

Die Pflege insgesamt hat im Jahr 2021 eine Bruttowertschöpfung in Höhe von 45,5 Milliarden Euro zu verbuchen gehabt. Davon fallen dann 21,5 Milliarden Euro auf die ambulante Pflege und 24,0 Milliarden Euro auf die stationäre Pflege. Waren es noch 2012 ca. 28,3 Milliarden Euro für beide Pflegebereiche zusammen, so bewegen wir uns auf eine Verdopplung zu. (Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz) So weit, so gut. Bis hierher sieht es nach einer steigenden Wertschöpfung und somit auch steigenden möglichen von Gewinnen aus. Aber Vorsicht, der Eindruck trügt. Größtenteils unbemerkt von der Masse der Menschen hat der Markt „Pflege“ sich radikal verändert. Die Auswirkungen sehen wir heute.

1 Million mehr Pflegebedürftige bis 2030

Bis 2030 wird es 1 Million Pflegebedürftige mehr geben als gedacht. Das sind dann ca. 6 Millionen. Im gleichen Atemzug klafft die Lücke der fehlenden Pflegekräfte mehr und mehr auf. Von ca. 170.000 (nach Prof. Rothgang) – 500.000 (Deutscher Pflegerat) könnten es 2030 sein, je nach der Quelle der Berechnungen. Dem zuspielend verlassen nach wie vor viele Pflegekräfte ihren Beruf aus den unterschiedlichsten Gründen, die demografische Entwicklung (Stichwort: Generation Babyboomer) ist dabei ein großer Faktor.

Daraus kann geschlossen werden, dass Pflege an sich auch in Zukunft ein boomender Markt sein wird. Die dafür notwendigen Grundlagen, grundlegende Reform der Pflege- und Krankenversicherung, aber auch der Dienstleistungslandschaft, wurden begonnen und werden sich in den nächsten Jahren fundamental verändern.

Risiko oder Chance für Investoren

Zurück zum Risiko und den Chancen. Im Grundsatz sind Investitionen nur dann möglich, wenn die strategischen Planungen von Investoren sicher und beherrschbar sind. So war es in der Vergangenheit und so sollte es in besonderem Maße auch heute sein. Stellen wir uns die Frage: Sind langfristige Investitionen heute überschaubar und vor allem beherrschbar?

Meine klare Antwort ist Jein!

Es kommt darauf an. Es kommt auf die Art der Leistungen an, die Kombination und die Flexibilität im Projekt. Auch kommt es stark auf die stringente Handlung der Bundesregierung an. Kommt die Pflege- und Krankenversicherungsreform schnell und nachhaltig, gibt es auch schnell und nachhaltig Planungssicherheit für alle Beteiligten.

Hintergründe:

2021 ist die Pflegeversicherung mit einem Defizit von 1,35 Milliarden Euro rausgegangen. 2022 werden wir ca. 2,5 Milliarden Euro Defizit erwarten. Das sind 2500 Millionen Euro. Eine gigantische Summe. Wir geben somit mehr aus, als wir einnehmen. Wie oben beschrieben haben wir zu wenige Menschen, die Pflegen wollen und können. Politik und Gesellschaft hat es bis heute nicht geschafft, verbindliche Regeln für die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu schaffen. Traurig, aber wahr. Mit der Veränderung der Leistungsansprüche von Pflegebedürftigen wird sich auch die Finanzierung verändern. Stimmen mehren sich, die eine Gewinnmargenbegrenzung staatlicher Seite fordern.

Aussichten:

Es besteht das Risiko, dass Refinanzierungen gekürzt werden oder gar vollständig wegbrechen. Siehe der Angriff seitens Herrn Spahn auf die Tagespflegerefinanzierung in der vergangenen Legislaturperiode der Bundesregierung. Er hat sich nicht durchsetzen können, aber einmal in der Welt wird es so lange geköchelt, bis es eventuell doch kommt. Das ist ein Risiko für Tagespflegebetreiber und Komplexanbieter mit diesem Angebotssegment. Die Personalbemessung ab Mitte 2023 ist ein weiteres Risiko für vollstationäre Betreiber mit kleineren Einrichtungen. Somit liegt die Konzentration in Zukunft auf die Pflegeeinrichtungen mit ca. 80 Pflegeplätzen (je nach Bundesland). Aber machen wir uns nichts vor. Der Bauboom für Pflegeeinrichtungen neigt sich dem Ende. Warum: weil aus einer lukrativen Geldanlage ein mögliches Risikogeschäft wird. Meist sind die Immobilienbetreiber nicht identisch mit den Pflegebetreibern vor Ort. Die Miete für die Immobilien werden aus dem Pflegebetrieb erwirtschaftet. Wenn dieser aber durch Personalmangel und/oder zukünftige Refinanzierungslücken gefährdet ist, dann halte ich das für ein Geschäft, welches einer genauen und effizienten Kalkulation unterworfen sein muss, damit es auch den Abschreibungszeitraum für Pflegeimmobilien überdauert.

Reform zur langfristigen Refinanzierung von Investitionen

Sowohl die Finanzierung der Pflegeleistungen als auch die Refinanzierung der notwendigen Immobilien wird einer Reform bedürften. Fakt ist, neben explodierenden Bau- und Energiekosten sehe ich das größte Risiko in den fehlenden personellen Ressourcen. Kein Personal, kein Betrieb! Kein Betrieb, kein Umsatz, /Refinanzierung.

Empfehlung:

Die Leistungsdiversifikation ist ein wesentliches Thema zur Risikostreuung. Solitäre Einrichtungen sind nicht mehr uneingeschränkt das erste Mittel der Wahl. Die folgenden Analysen bekommen eine noch entscheidendere Bedeutung:

  1. Umfeldanalyse
  2. Marktanalyse
  3. Bevölkerungsanalyse (Vermögen, Demografie usw.)
  4. Mitbewerberanalyse

Wenn diese Analysen positiv bewertet worden sind, kommt die Entscheidung, welche Leistungen für diese Region gefragt und welche Leistungen auch in den kommenden Jahren noch eine hohe Nachfrage und Refinanzierung erfahren werden.

Vier primäre Möglichkeiten ergeben sich aus Sicht des Autors:

  1. Komplexleistungsimmobilienprojekte (Betreutes Wohnen, ambulante Pflege, Wohngemeinschaften, vollstationäre Pflege, Tagespflege, Kita, Pflegehotel (Alternative zu vollstationärer Pflege!))
  2. Immobilienprojekte, die eine Zweit- und Drittnutzungsalternative inkludiert haben.
  3. Projekte mit weiter diversifizierten Kostenträgern (Pflegeversicherung/Krankenversicherung, Rehabilitations- und Schwerbehindertenrecht, usw..)
  4. Komplett privatfinanzierte Wohnformen (ambulante Wohngemeinschaften, Pflegehotels etc.)

Fazit: Marktanalyse, Umfeldanalyse, Mitarbeiterpotenzialanalyse, Risiko- und Zukunftsanalyse sind vor Neubau bzw. jeglicher Investition wichtiger denn je. Kein Euro wird investiert, wenn nicht annähernd 100 % klar ist, wie er wieder erwirtschaftet werden kann. Da dies heute aus meiner Sicht nicht mehr so eindeutig zu klären ist, ist jede Investition kritisch zu hinterfragen und doppelt zu sichern. Die Verlagerung in den privat refinanzierten Bereich (Privatzahler) ist und bleibt auch in Zukunft eine das Risiko reduzierende Alternative. Das ist und bleibt allerdings nur so lange der Fall, wie die Inflation in Europa und Deutschland schnell und nachhaltig in den Griff bekommen wird. Zurzeit liegt die Inflationsrate bei ca. 8,7 % (Quelle: Destatis). Dass diese Werte für Investitionen nur sehr bedingt eingesetzt werden können, ist allen Akteuren am Markt bekannt. Trotzdem ergibt sich daraus ein Barometer, welches Entwicklungen und Trends um einen Faktor ergänzt.

 Text ist zuerst in der Care Invest vom Vincent-Verlag veröffentlicht worden

Link zum ähnlichen Artikel https://thieleberatung.de/pflege-von-hochlukrativ-zu-hochriskant/



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